← Meinungen
17. November 2021

Verstärkte Zusammenarbeit zwischen internationalen Finanzplätzen stärkt die wirtschaftliche Erholung weiter

Das vergangene Jahr hat uns gezeigt, dass sich Gesundheit nicht von Finanzen, Umwelt und Nachhaltigkeit trennen lässt. Und so wie wirtschaftliche Ungleichheiten aus gesundheitlicher Sicht verheerende Folgen haben, kann eine globale Pandemie selbst die stärksten und stabilsten Volkswirtschaften zerreißen.

Yousuf Al-Jaida, CEO des Qatar Financial Centre (QFC), und Jochen Biedermann, Geschäftsführer der World Alliance of International Financial Centers, teilen ihre Einschätzungen dazu, welchen Beitrag die internationalen Finanzplätze zur Unterstützung und Wiederbelebung der wirtschaftlichen Erholung leisten und welche Rolle die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Finanzplätzen dabei spielt.

Als Weltbevölkerung waren wir auf eine Pandemie nicht vorbereitet. Doch während wir gegen Ende des Jahres 2021 den Weg aus der COVID-19-Krise suchen, müssen wir bei der Art und Weise, wie wir uns anpassen und erholen, kreativ sein.

Nachdem die Pandemie die Welt in die Knie gezwungen hat, richtet sich die Aufmerksamkeit endlich auf die globale wirtschaftliche Erholung. Während der Fokus zu Recht weiterhin auf den kurzfristigen Erfordernissen der öffentlichen Gesundheit und der Wirtschaft insgesamt liegt, bringen die mittel- bis langfristigen Herausforderungen zahlreiche Chancen mit sich. Im Mittelpunkt dieser Chancen steht eine stärkere globale Zusammenarbeit.

Globale Zusammenarbeit ist kein neues Konzept. Wir haben gemeinsam an Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen sowie an Gesundheitsfragen gearbeitet, jeweils gestützt durch finanzielle Zusagen nationaler Regierungen. Die vor der Pandemie aufgebauten Netzwerke haben es der Finanzdienstleistungsbranche ermöglicht, vorbereitet zu sein und die Welt durch die Wiederbelebung der nationalen Volkswirtschaften aus der Krise zu führen.

Die Pandemie hat gezeigt, dass internationale Zusammenarbeit funktionieren kann. Das weltweite Impfprogramm und die Bemühungen von Regierungen und internationalen Organisationen, die in den USA, Europa, Asien und Afrika gemeinsam daran arbeiten, Impfstoffe in der ganzen Welt zu verteilen, verdeutlichen, dass wir gemeinsam stärker sind als allein.

Es ist nicht das erste Mal, dass wir zusammenkommen mussten, um darüber nachzudenken, wie wir mit solchen Herausforderungen umgehen. Vor fast anderthalb Jahrzehnten brachte die globale Finanzkrise die Weltwirtschaft zum Einsturz, und darüber hinaus erlebten wir Herausforderungen durch Gesundheitskatastrophen wie den SARS-Ausbruch in Südostasien zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Ab März 2020 war offensichtlich, dass die Welt nicht zu ihrem früheren Zustand zurückkehren und sich auch die Finanzdienstleistungslandschaft verändern würde. Während traditionelle Branchen litten und einige weiterhin mit Hindernissen konfrontiert sind – und in manchen Fällen vollständig zusammenbrachen –, wurde deutlich, dass neue Märkte entstehen und florieren würden, insbesondere in den digitalen und technologischen Sektoren.

Die Gemeinschaft der World Alliance of International Financial Centers reagierte gemeinsam auf die Pandemie, indem sie eine gemeinsame Erklärung veröffentlichte, in der sie ihr Engagement für Start-ups und KMU bekräftigte, um kurzfristig die globale wirtschaftliche Erholung wieder in Gang zu bringen. Durch die Einrichtung gemeinsamer internationaler Arbeitsgruppen stellten die Mitglieder der World Alliance sicher, dass die Gemeinschaft der Finanzplätze mittelfristig für etwaige Rückschläge gewappnet ist. Die World Alliance appellierte an die Länder, ihre Investitionen auszuweiten und sich weiterhin auf den Ausbau digitaler Infrastrukturen und aufstrebender Märkte zu konzentrieren, darunter Sustainable Finance, KMU-Finanzierung und FinTech.

Ein Beispiel dafür, wie internationale Zusammenarbeit den Weg zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung ebnet, ist die Folge der Jahresmitgliederversammlung der World Alliance im Jahr 2020 – mit Stolz ausgerichtet vom Qatar Financial Centre (QFC) –, die die Mitglieder der Allianz in einem äußerst anregenden virtuellen Format zusammenbrachte. Die Arbeitsgruppe der World Alliance, gemeinsam geleitet vom QFC und von Luxembourg for Finance (LFF), erarbeitete einen Sieben-Punkte-Aktionsplan, der sich auf eine umfassende globale politische Agenda konzentrierte und die Notwendigkeit verbesserter Cybersicherheit, staatlicher Unterstützung und einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Banken und FinTechs hervorhob, um rasche Lösungen bereitzustellen. Es besteht ein klarer Bedarf an der Schaffung eines rechtlichen Rahmens auf nationaler und internationaler Ebene, und die Zusammenarbeit zwischen den internationalen Finanzplätzen wird diesen Prozess nur beschleunigen.

Die Pandemie hat die Aussichten auf offenen Handel zwischen verschiedenen Ländern weiter verbessert, um nationale und globale Volkswirtschaften zu stützen und die „selbstzerstörerische Verlockung des Protektionismus [1]“ zu vermeiden, die sich in jüngster Zeit als erfolgloser Ansatz erwiesen hat. Wie die erste virtuelle Jahresmitgliederversammlung im Jahr 2020 und die bevorstehenden Treffen der World Alliance gezeigt haben, waren sich die Mitglieder einig, dass die Notwendigkeit der Zusammenarbeit offenkundig ist.

Der von der World Alliance, QFC und LFF erstellte und veröffentlichte Bericht der World Alliance „Innovation and FinTechs in a Post-Pandemic World“ [2] zeigt beispielhaft, wie die Zusammenarbeit zwischen internationalen Finanzplätzen und globalen Partnern Erkenntnisse und Lösungen für einen wirtschaftlichen Weg aus der Pandemie liefern kann.

Der Bericht stellte fest, dass viele FinTechs bei Ausbruch der Pandemie an mehreren Fronten eine schwere Zeit durchlebten. Nachdem die Investitionen in den Sektor seit 2014 um mehr als 25 % pro Jahr gewachsen waren, gingen sie im ersten Halbjahr 2020 weltweit um 11 % und in Europa um 30 % zurück. Darüber hinaus hat die Pandemiekrise das stagnierende Niedrigzinsumfeld verschärft, da die Zentralbanken in Europa und den USA die Zinsen zur Stabilisierung der Märkte weiter gesenkt haben.

Erfreulicherweise haben wir in vielen Teilen der Welt in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 und bislang im gesamten Jahr 2021 eine kräftige Erholung bei FinTech-Gründungen erlebt. Dies hat bestätigt, dass sich im Verlauf der Pandemie ein neuer Wachstumshorizont für FinTechs eröffnet, was die Notwendigkeit einer fortgesetzten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit weiter unterstreicht, damit die sich bietenden Chancen angemessen genutzt werden.

Daher muss sich der Fokus darauf verlagern, wie wir als globale Partner eine nachhaltige Finanzbranche, innovative Trends im Finanzwesen wie künstliche Intelligenz, die Finanzierung von KMU und inklusive Finanzdienstleistungen fördern und weiterentwickeln. Grundlage dieser Zusammenarbeit sind zukunftsorientierte und schnelle Lösungen, die allesamt vom FinTech-Sektor bereitgestellt werden können, der gut gerüstet ist, um jede Umwelt- oder Gesundheitskatastrophe zu überstehen, wie sich im vergangenen Jahr während der Pandemie gezeigt hat.

Von einer vollständigen globalen wirtschaftlichen Erholung sind wir noch ein gutes Stück entfernt, und die „neue Normalität“ bedeutet, dass sich die Wahrnehmung und der Einfluss einiger Branchen verändern werden und die Welt nicht zu ihrem früheren Zustand zurückkehren wird. Zusammenarbeit und der Aufbau internationaler Partnerschaften zur Schaffung einer digitalen Bankinfrastruktur innerhalb der Finanzdienstleistungsbranche, die es Privatpersonen und Unternehmen ermöglicht, ihre Mittel sicher zu verwahren, sind der Schlüssel zur Förderung der globalen wirtschaftlichen Erholung.

[1] World Alliance promotes cooperation, sustainable investments, and avoiding protectionism during COVID-19

[2] World Alliance Innovation and Fintech Report.pdf

Die hier veröffentlichten Beiträge geben die Ansichten der jeweiligen Autorinnen und Autoren wieder und nicht notwendigerweise die der World Alliance.