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19. November 2019

Warum sind Finanzplätze wichtig?

Internationale Finanzplätze bieten niedrige Transaktionskosten, einfachen Zugang zu Kapital, qualifizierte Arbeitskräfte, politische Stabilität und ein dynamisches unternehmerisches Ökosystem.

Ein internationaler Finanzplatz (IFC) ist eine intensive Konzentration einer großen Vielfalt internationaler Finanzunternehmen und -transaktionen an einem Ort.

Der Aufbau eines IFC ist ein Prozess der Selbstverbesserung für eine Stadt oder sogar ein ganzes Land, denn es gibt verschiedene Faktoren, die die Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit eines IFC beeinflussen. So sind etwa nach The Global Financial Centres Index (GFCI) die maßgeblichen Faktoren für die Bewertung eines IFC das Geschäftsumfeld, das Humankapital, die Infrastruktur, die Entwicklung des Finanzsektors und die Reputation (siehe Tabelle 1). Mit anderen Worten: Mit einem erfolgreichen IFC können Länder nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern auch umfassende strategische Vorteile erzielen. Tatsächlich sehen wir, dass IFC-Volkswirtschaften seit 1980 stark gewachsen sind, mit durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Wachstumsraten von 3,3 Prozent gegenüber 1,4 Prozent für die Welt insgesamt. [1]

Tabelle 1: Maßgebliche Faktoren für die Bewertung eines IFC

Es gibt mindestens vier Wege, auf denen IFCs zum Funktionieren von Volkswirtschaften beitragen:

1. IFCs fördern eine gute Regierungsführung in einem Land, was langfristig der Volkswirtschaft zugutekommt. Die Belege zeigen, dass die mit Abstand erfolgreichsten internationalen Finanzplätze diejenigen sind, deren Regierungen bei den Indikatoren der World Bank für die Qualität der Regierungsführung hohe Werte erzielen.

2. IFCs sind Länder und Gebiete mit einer Steuer- und Regulierungspolitik, die für ausländische Investitionen besonders günstig ist. IFCs fördern neue Unternehmen durch günstige Telekommunikations- und Verkehrsinfrastrukturen und geringe bürokratische Hürden.

3. IFCs bringen nicht nur einem Land, sondern der ganzen Region Vorteile, ja sogar der ganzen Welt. Im Zeitalter der Globalisierung tragen Investitionen, Beschäftigung und Innovation an einem Ort zu verwandten Aktivitäten anderswo bei.

4. IFCs wirken sich positiv auf die makroökonomischen Indikatoren aus, d. h. auf Beschäftigung, Kapitalzuflüsse, den raschen Aufbau von Infrastruktur usw. All dies wird langfristig der Volkswirtschaft neue Energie verleihen.

Vor dem Hintergrund des Brexit wird die Bedeutung Frankfurts als IFC weiter zunehmen. Bislang haben 52 Finanzinstitute bei der Bafin beantragt, Geschäftstätigkeiten aufzunehmen oder bestehende auszuweiten. Rund 30 dieser Institute haben beschlossen, ihren EU-Hauptsitz nach Frankfurt zu verlegen. Frankfurt Main Finance erwartet, dass bis zum Brexit-Datum Vermögenswerte in Höhe von 750 bis 800 Milliarden Euro von London nach Frankfurt verlagert werden, von denen ein Drittel bereits bis Ende März 2019 übertragen wurde.

Aufgrund der Bedeutung von IFCs wurde 2008 Frankfurt Main Finance gegründet, um sich besser für Frankfurt unter den führenden nationalen und internationalen Finanzplätzen einzusetzen. Frankfurt Main Finance hat inzwischen mehr als 60 Mitglieder, darunter das Land Hessen, die Städte Frankfurt und Eschborn sowie zahlreiche namhafte Akteure der Finanzbranche. Frankfurt Main Finance nutzt den Einfluss seiner Mitglieder, um hochkarätige Dialogplattformen zwischen Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Finanzwelt zu schaffen.

Internationale Finanzplätze bieten niedrige Transaktionskosten, einfachen Zugang zu Kapital, qualifizierte Arbeitskräfte, politische Stabilität und ein dynamisches unternehmerisches Ökosystem. Der Finanzplatz Frankfurt hat einen bedeutenden Beitrag zum Wachstum der deutschen Wirtschaft geleistet und wird dies auch weiterhin tun.

[1] Report: International Financial Centers and the World Economy, University of Michigan and NBER

Die hier veröffentlichten Beiträge geben die Ansichten der jeweiligen Autorinnen und Autoren wieder und nicht notwendigerweise die der World Alliance.