Wie bei einem typischen Netzwerkeffekt gilt: Je mehr Kompetenz ein Finanzplatz erwirbt, desto erfolgreicher wird er.
Marktplätze gibt es, seit die Menschen begonnen haben, Waren auszutauschen: Die Zusammenkunft an einem Ort war der beste Weg, Geschäfte zu fördern. Bauern kamen vom Land in die Städte, um ihre Erzeugnisse zu verkaufen: Obst, Gemüse, Getreide, Hühner, ….
Die Konzentration von Menschen an einem zentralen Ort war notwendig, um Waren und Informationen auszutauschen. Geld und Finanzen bildeten da keine Ausnahme: In den Anfangszeiten der Börsen mussten die Menschen an einen zentralen Ort kommen, um sich zu treffen und Neuigkeiten auszutauschen. Für alle war es sehr praktisch, die Stimmung der anderen Marktteilnehmer zu spüren. Wenn alle optimistisch sind, kann man es wagen, Aktien zu kaufen. Sobald die allgemeine Stimmung kippt, ist es Zeit, Gewinne mitzunehmen und zu verkaufen.
Sehr schnell verschafften technologische Innovationen den frühen Anwendern Vorteile. Das Telefon ermöglichte es Brokern, viel schneller mit ihren Anlegern zu kommunizieren. Im Börsengebäude hatten diejenigen, deren Telefonkabinen näher am Parkett lagen, einen Vorsprung gegenüber ihren Konkurrenten. Ratsam war es auch, junge Händler zu haben, die schneller laufen konnten, um heiße Nachrichten zu überbringen und Aufträge weiterzugeben.
Heute ist die Geschwindigkeit der Auftragsausführung entscheidend geworden. Mit der Co-Location erlauben die Börsen den Brokern, ihre Server im selben Raum aufzustellen wie die Computer, auf denen die Märkte laufen: Selbst die Länge der Verbindungskabel wird gemessen, um gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Teilnehmer zu gewährleisten! Im Wettlauf um einen technologischen Vorsprung von wenigen Nanosekunden richten manche Marktteilnehmer ihre Telekommunikationssysteme so ein, dass sie in gerader Linie zwischen Finanzplätzen wie New York / Chicago oder London / Frankfurt verbunden sind.
Finanzplätze umfassen jedoch weit mehr als Handelsplattformen und Marktinfrastruktur: Dazu gehören die Banken, die Versicherungsgesellschaften, die Fondsmanager, … sowie die verschiedenen Dienstleistungen rund um die Finanzwirtschaft wie Anwaltskanzleien, Wirtschaftsprüfer und Berater. Für die meisten von ihnen besteht ein starker Anreiz, nahe beieinander sowie nahe bei den Aufsichtsbehörden und Marktbehörden zu sein. Trotz der Einfachheit und Schnelligkeit der Kommunikationssysteme ist die räumliche Nähe durchaus von Bedeutung, und Marktteilnehmer brauchen eine Präsenz vor Ort, wenn sie einen nennenswerten Teil der Finanzaktivitäten eines Landes oder einer Region für sich gewinnen wollen.
Umgekehrt wissen Unternehmen und Organisationen, die eine Finanzierung oder andere Finanzdienstleistungen suchen, dass die Finanzplätze ihnen die benötigte Unterstützung bieten werden.
Dies erklärt die Entstehung einer begrenzten Zahl von Finanzplätzen, die den Großteil des Geschäfts auf sich ziehen konnten. Wie bei einem typischen „Netzwerkeffekt“ gilt: Je mehr Kompetenz ein Finanzplatz erwirbt, desto erfolgreicher wird er!
Die hier veröffentlichten Beiträge geben die Ansichten der jeweiligen Autorinnen und Autoren wieder und nicht notwendigerweise die der World Alliance.